REVIEW: Kitty Solaris „Cold City“

Berlin kann ein ganz schön hartes Pflaster sein. Zu dieser Erkenntnis kommt auch Kitty Solaris auf ihrem Album „Cold City“. Doch genauso wie die Spreemetropole hat auch die neue Platte der Wahlhauptstädterin wesentlich mehr Facetten zu bieten, als der erste Eindruck vermuten lässt.

„Cold City“ entstand – wie viele seiner Vorgänger – in bester Do-It-Yourself-Manier. Was würde man aber auch anderes von einer gestandenen Musikerin und Labelchefin, wie Kirsten Hahn alias Kitty Solaris sie nun mal ist, erwarten? Die Entscheidung, die Songs der LP durch eine begrenzte Anzahl von Händen wandern zu lassen, sorgt im Nachhinein dafür, dass an allen Ecken und Enden eine Authentizität zum Vorschein kommt, wie man sie im geglätteten Popbusiness kaum noch findet. Doch ist Pop überhaupt das richtige Label für „Cold City“? Ja und Nein. Ja, weil die Melodien, die Kitty Solaris ersonnen hat, unglaublich schnell ins Ohr gehen. Es braucht nur wenige Durchläufe, schon haben sich die Hooks und Refrains von Tracks wie „Dirt“ oder „I Only Want My Money Back“ derart an das Unterbewusstsein gehaftet, dass man sie selbst mit dem expressivsten Headbanging nicht mehr abgeschüttelt bekommt. Apropos Headbanging: Während „Silent Disco“ (2016) noch vom Stroboskoplicht der Berliner Clubszene inspiriert schien, und allerhand elektronische Spielarten miteinander vereinte, führt „Cold City“ den Hörer an wesentlich unprätentiösere Orte. Diese werden mithilfe von harten Gitarrenriffs nachskizziert, und es gilt, was auch für die deutsche Hauptstadt selbst zutrifft. Nur, wenn man hinter die Fassade schaut, kann man die Schönheit der Dinge, die anfangs vielleicht rau und unbequem erschienen, wirklich entdecken. Selten hat ein Album das Lebensgefühl einer Stadt, ihr Wesen und ihren Puls, besser eingefangen.

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