REVIEW: Dapayk Solo „Decade Two: 2020 Love“

Bestandsaufnahme: Dapayk blickt mit „Decade Two: 2020 Love“ auf kreative Impulse seines bisherigen Schaffenszyklus zurück und demonstriert gleichzeitig, was die Zukunft für ihn und seine Fans bereitzuhalten vermag.

Seit nunmehr zwanzig Jahren gehört Niklas Worgt alias Dapayk zur deutschen Techno-Elite. Ob solo oder and der Seite seiner Frau Eva (als Dapayk & Padberg), ob als Remixer oder Chef seines eigenen Labels Sonderling Records – Worgt hat mit seinen Arbeiten die Vielfalt elektronischer Musik nach der Millenniumswende maßgeblich mit vorangetrieben. Einer von vielen Gründen, warum man den 42-Jährigen nicht nur hierzulande schätzt, sondern überall auf der Welt dazu einlädt, Massen von Feierwütigen mithilfe seiner treffsicheren Beats in Ekstase zu versetzen.
Dass Dapayk nun ausgerechnet in einem Jahr, in dem das Partyleben zwangsverordnet stillliegt, ein derart zahlenträchtiges Jubiläum feiert, mag auf den ersten Blick nach purem Sarkasmus klingen. Auf den zweiten offenbart sich darin aber eine Chance, die der gebürtige Thüringer direkt beim Schopf gepackt hat. Nämlich den Hedonismus und die Euphorie einer intensiven Partynacht von der Tanzfläche ins heimische Wohnzimmer zu transferieren. Ohne aber – wie viele seiner Kollegen – daran zu scheitern, die dort waltenden Rahmenbedingungen außer Acht zu lassen. Denn kaum jemand wird wohl zuhause die Fenster abdunkeln, das Licht zum Flackern bringen und sowohl Anlage als auch Nebelmaschine bis zum Anschlag aufdrehen, um sich dann vorzustellen, gemeinsam mit Hunderten anderer schwitzender Menschen im Takt von Tracks wie „Overthinking Kills“ oder „Love Or Die“ zu tanzen. Es brauchte also eine alltagstauglichere, ruhigere Version dessen, wofür Dapayk bisher bekannt war. Tatsächlich ist dem ausgebildeten Restaurator mit „Decade Two: 2020 Love“ genau das gelungen. Sprich, ein Gleichgewicht zwischen Anregung und Entspannung zu kreieren, statt mehr zu wollen, als die aktuelle Lockdown-Situation hergibt. Den Schlüssel zum Erfolg bildete dabei Worgts gezielte Fokussierung auf Ambient- und Downbeat-Einflüsse. Sie sind es, die die LP zu einem ebenso zugänglichen wie mit Überraschungen aufwartenden Werk machen.
Entstanden während der alljährlichen Flucht in die Provence – einem notwendigen Tapetenwechsel zum Grau der Heimat Berlin – tragen die zehn neuen Dapayk-Stücke ein Gefühl von Sommer in sich. Grundmotive wie Freiheit, Liebe und Verbundenheit durchziehen „Decade Two: 2020 Love“ derweil wie ein roter Faden und provozieren allerlei Wärme spendende Gedanken. Gedanken, die die Sehnsucht nach Normalität wecken. Nach Grillfesten mit Freunden oder Nächten am Strand, bis die Sonne am Horizont aufzieht.

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