Review: Ane Brun „After The Great Storm“

Diesen Herbst bringt Ane Brun ihre Karriere in zwei Akten auf den Punkt. Akt 1: „After The Great Storm” ist ein elektronisch aufpoliertes Glanzstück zukunftsorientierter Liedermacherkunst.

Als Ane Brun vor circa 15 Jahren auf der Bildfläche erschien, eilte ihr bereits der Ruf voraus, dass sie in der Lage sei, große Gefühle in reduzierte Arrangements zu überführen. Das Publikum feierte die gebürtige Norwegerin für ihre spröde Ausstrahlung und den Hauch nordischer Melancholie in ihrem Timbre. Lange galten dabei vor allem Piano-Balladen als Bruns große Stärke, obwohl sie spätestens mit „When I’m Free“ (2015) bewies, dass man sie keinesfalls darauf reduzieren sollte. Nicht minder gekonnt bewegte sie sich nämlich durch Electro-Pop-Gefilde und forderte so ihr Publikum dazu auf, die Gemütlichkeit des heimeligen Sofas gegen ein Paar Tanzschuhe einzutauschen. Mit „After The Great Storm“ knüpft die 44-Jährige an besagte Ästhetik an, wobei sie ihr stilistisches Spektrum erneut erweitert. Neben Synthie-Pop-Anleihen aus den Achtzigern bedient sich Ane Brun dieses Mal auch bei der düsteren Magie des Trip-Hops. Songs wie „Take Hold Of Me“ oder „The Waiting“ durchzieht ein tiefes Schimmern. Ein mysteriöses Leuchten. Zusammen mit heitereren Tracks wie „Honey“ oder „Crumbs“ bildet „After The Great Storm“ so eine beachtliche Bandbreite elektronischer Musik ab. Zentral ist und bleibt jedoch stets Bruns Markenzeichen: Ihre Stimme. Nichts mag diese zu überschatten. Und so gipfelt das achte Studioalbum der blonden Ausnahmekünstlerin in einem Stück, das ihrem Gesang einen nahezu prophetischen Glanz verleiht. „We Need A Mother“ berührt gleichzeitig aber auch ein sehr persönliches Thema. Nach dem Tod ihres Vaters 2016 warf es Ane Brun derart aus der Bahn, dass ihre Kreativität stark unter der aufkommenden Trauer litt. Statt das Schreiben neuer Songs als Therapie nutzen zu können, wie es viele ihrer Kollegen gern tun, blieb Ane Brun wortlos. Nur die Zeit allein konnte helfen, ihre Wunden soweit zu heilen, dass es irgendwann wieder aus ihr heraussprudelte. Die zurückgehaltene Energie führte dann binnen weniger Aufnahmesessions zu ganzen 18 Songs, von denen sich allerdings nur ein Teil auf „After The Great Storm“ finden lässt. Der Rest – bestehend aus zurückgenommenen, instrumentenbasierten Kompositionen – folgt dann in wenigen Wochen auf Studioalbum Nummer neun: „How Beauty Holds The Hand Of Sorrow“.

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