REVIEW: Jónsi „Shiver“

Keine leichte Kost, aber auch kein Hexenwerk: Jónsi sprengt mit „Shiver“ die Grenzen des Electropops.

Jón Þór „Jónsi“ Birgisson gehört neben Björk zu Islands wichtigsten Musiker*innen. Zusammen mit Georg Hólm und Ágúst Ævar Gunnarsson gründete er Mitte der Neunziger die Erfolgsband Sigur Rós und wird seitdem international für seinen engelsartigen Falsettgesang gefeiert. Wie nicht von dieser Welt wirkt auch Jónsis zweites Soloalbum „Shiver“. Binnen elf Tracks erschafft der 45-Jährige ein kristallines Paralleluniversum, in dem seine und die Gesänge seiner beiden Gastsängerinnen, Liz Fraser (Cocteau Twins) und Robyn, widerhallen wie Rufe aus dem Jenseits. Nicht wirklich greifbar und doch durchdringend bis aufs Mark. Da Jónsi als Ausnahmekünstler, der er ist, nichts mehr zu verlieren hat, experimentiert er im Zuge dessen munter mit allem, was ihm kreativen Spaß bereitet. So liebäugelt er beispielsweise mit verschiedensten Spielarten elektronischer Musik, beschwört massive Drone-Sounds herauf und bedient sich kratziger Synthesizer, die den Hörer*innen hier und da einige Nerven kosten dürften. Stets losgelöst von jedwedem Boden, der ihn festzuhalten versucht, transzendiert Jónsi mit „Shiver“ ikonenartig über dem aktuellen Popgeschehen und beugt sich weder Geschmackspräferenzen des Mainstreams noch der Abgeklärtheit irgendwelcher selbsterklärter Pseudoeliten.

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