REVIEW: Braids „Shadow Offering“

Da dachte man, Braids hätten mit «Deep In The Iris» (2015) den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht, schon gelingt dem Trio der nächste Clou: «Shadow Offering».

Lange galten Braids aus Calgary als Geheimtipp. Das hat sich jedoch über die Jahre geändert. Mit ihrem neuen Album «Shadow Offering» pilgern die Kanadier*innen weiter in Richtung Mainstream, und zwar ungeachtet aller möglichen Barrieren. Was für viele Fans den Reiz der Band ausmacht, ist ihr Mut, mit Tabus zu brechen. Sei es das Anprangern von Chauvinismus oder die Beschäftigung mit Phänomenen wie dem nicht enden wollenden Körperkult innerhalb unserer Gesellschaft. Braids lassen sich den Mund nicht verbieten und erkennen Schönheit, wo andere Hass sähen. Das beweist auch das Video zur Single «Just Let Me», für das Sängerin Raphaelle Standell-Preston als Regisseurin verantwortlich war. Behutsam inszeniert sie darin das emotionale Auf und Ab einer Beziehung zwischen zwei Männern. Begleitet werden die ästhetischen Bilder von schweren Synthesizern und dem fast schon ikonenartigen Gesang der 30-Jährigen. Diese Mischung durchzieht auch den Rest von «Shadow Offering». Standell-Preston und ihre beiden Kollegen, Austin Tufts und Taylor Smith, bedienen auf der Platte einen bunten Stilmix, dessen Grundzutat ein avantgardistisch angehauchter Electropop bildet. Immer wieder wendet sich das Trio von klassischen Songverläufen ab und gewährt einzelnen Impulsen die Möglichkeit, das Steuer an sich zu reissen. Das führt dazu, dass man zu Beginn eines Tracks nie wirklich sagen kann, wohin er das Publikum führen wird. Genau das ist es aber auch, was «Shadow Offering» zu einem Erlebnis der besonderen Art macht.

Diese Review erscheint in der kommenden Printausgabe des Mannschaft Magazins.

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