REVIEW: Jehnny Beth „To Love Is To Live“

Durchschlagend: Jehnny Beth steigt auf „To Love Is To Live“ mit massiven Klängen und wummernden Beats in den Ring. Und beweist dabei ihr Können.

Als Leadsängerin der Post-Punk-Band Savages avancierte Jehnny Beth in den letzten Jahren zum musikalischen Schwergewicht. Zeit, sich einmal als Solokünstlerin zu beweisen, fand die 35-Jährige. Inspiriert von David Bowies requiemartigen Album „Black Star“ entschied Beth, sich ebenso verletzlich und fragil zeigen zu wollen, wie es der Meister des Rocks kurz vor seinem Ableben getan hatte. Ihr Debüt „To Love Is To Live“ tut genau das. Neben all der Stärke, die es ausstrahlt, haftet ihm auch eine aparte Verletzlichkeit an. Schon der Titel der Platte zeigt, dass sich die gebürtige Französin darauf mit gewichtigen Themen und weniger mit den Banalitäten des Alltags auseinandersetzt. Folglich brauchte es einen Sound, der mit den Aussagen ihrer Texte Schritt halten können würde, ohne dabei allzu affektiert oder gewollt daherzukommen. Die Lösung fand Beth in einem Spannungsfeld, das von harten Gitarrenriffs über Trip-Hop-Elemente à la Portishead bis hin zu sanften Klavierpassagen reicht. Mal intensiv und aufwühlend, mal beruhigend. Erneut unterstreicht Jehnny Beth den Fakt, dass Stärke nicht zwangsweise mit Männlichkeit gleichzusetzen ist. Gekonnt macht sie sich jene Androgynität, jene geschlechtslose Ausdruckskraft, zu eigen, die auch Bowie wie ein magischer Schleier umgab. „To Love Is To Live“ strotzt vor Genialität, Emanzipation und Haltung. Besser hätte Jehnny Beth den sprichwörtlichen Nagel nicht auf den Kopf treffen können.

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