REVIEW: Clock Opera „Carousel“

Wo andere Künstler mit trügerischer Einfachheit locken, setzen Clock Opera bewusst zur Dekonstruktion an. Einer Dekonstruktion und Neuzusammensetzung von Electronica, Math-Pop und Indierock. So auch auf ihrem dritten Studioalbum „Carousel“.

Klang die vorausgeschickte Titelsingle noch wie eine Hommage an Sébastien Telliers „La Ritournelle“ – sanft, melodisch und einem klaren Muster folgend – bietet der Rest der Platte deutlich mehr von der unverkopften Experimentierfreudigkeit, die man bereits von den Briten gewohnt ist. Und doch sind auch Guy Connelly, Che Albrighton und Nic Nell zugänglicher in ihrem Schaffen geworden. „Carousel“ fordert dem Hörer weniger Widerstandsfähigkeit ab, als es die Vorgänger „Ways To Forget“ (2012) und „Venn“ (2017) taten. Vielleicht, weil die Herren auf ihrer neuen Platte Themen wie Elternschaft und Vatersein verarbeiten. Sprich Dinge, die per se mit einer gewissen Gesetztheit, Reife und Ruhe einhergehen. Statt zu wilden Ritten durch die gesamte Bandbreite elektronischer Musik aufzubrechen, setzten Clock Opera lieber klare Akzente. Songs wie „I Surrender“ oder „Last Things First“ wirken fokussiert und ausgereift. Opulent und auf den Punkt. Es scheint, als sei das Trio zu der Erkenntnis gelangt, dass es an der Zeit sei, mit dem zu arbeiten, was ihm in der Vergangenheit den Weg geebnet hat. Dass es mehr Sinn mache, dies weiter auszufeilen, als tausend verschlossene Türen gleichzeitig aufstoßen zu wollen. Zwar mag das der LP hier und da ein wenig Aufregung nehmen, nur tut das dem Hörgenuss keinerlei Abbruch, sondern sorgt vielmehr für ein stimmiges Gesamterlebnis.

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