REVIEW: Bombay Bicycle Club „Everything Else Has Gone Wrong“

„Everything Else Has Gone Wrong“ verkünden Bombay Bicycle Club mit ihrer neuen LP. Nur hätte es gar nicht besser kommen können.

Wenn alles andere schiefläuft, dann bleibt manchmal noch der Weg zurück. Ähnliches müssen auch die Mitglieder von Bombay Bicycle Club gedacht haben, als sie nach dem offiziellen Verkünden einer Auszeit sowie dem Scheitern sich anschließender Projekte wieder zusammenfanden. Zum Glück! Sich der Ironie dieser Tatsache durchaus bewusst, entschied sich die Band, offen damit umzugehen und die ernüchternde Erkenntnis als Marketing-Gag zu nutzen. „Everything Else Has Gone Wrong“ ziert nun als Titel das fünfte Studio von Bombay Bicycle Club. Doch trotz Reunion hat sich einiges verändert im Hause BBC. Die Indie-Rocker entschlossen sich ganz bewusst dafür, einen externen Produzenten mit an Bord zu holen. Vielleicht, um ihre Arbeit zu öffnen, vielleicht aber auch, um etwaiger Überforderung und Differenzen bereits im Vorhinein entgegenzuwirken. Gut getan hat dies der Platte in jedem Fall. Wesentlich aufgeräumter und kohärenter als der Vorgänger „So Long, See You Tomorrow“ (2014) präsentiert sich „Everything Else Has Gone Wrong“ als Gegenentwurf zu Chaos und Avantgardismus. Für den Hörer bedeutet dies ein Maß an Zugänglichkeit, das man sich in der Vergangenheit deutlich härter erarbeiten musste, wenn man sich den Kompositionen von Steadman und Co. näherte. Gleichzeitig heißt das aber nicht, dass Bombay Bicycle Club weichgewaschen wurden und ihre charakteristische Kantigkeit verloren haben. Sie setzen sie nur etwas dosierter ein. Statt rasanter Wirbelwinde dominieren unterschiedlich starke Böen das akustische Geschehen. Sie tragen neben der altbekannten Aufbruchsstimmung und stilistischen Einflüssen unterschiedlichster Kulturen auch eine wohltuende Portion Wärme in sich. Wahrscheinlich brauchte es einen Knall, damit die Briten sich neu sortieren konnten. Als Niederlage darf „Everything Else Has Gone Wrong“ dabei aber keinesfalls verstanden werden. Das Bild eines Phönixs, der aus der Asche emporsteigt, kommt – wenngleich vielleicht etwas theatralisch anmutend – dem Charakter dieser Platte deutlich näher.

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