REVIEW: Yann Tiersen „Portrait“

„Portrait“ ist mehr als ein Best-Of. Es ist ein nachdenkliches Reflektieren, ein emotionales Ringen mit den eigenen Stärken und Schwächen, dem sich Yann Tiersen mutig entgegenstellt.

Vor fast 25 Jahren erschien mit „La Valse Des Monstres“ Yann Tiersens Debütalbum. Allerdings war es nicht diese Platte, die ihm den finalen Durchbruch bescherte, wenngleich einige der darauf befindlichen Stücke sich später noch in anderem Zusammenhang dafür verantwortlich zeigen sollten. Und zwar, als sie zur Untermalung des internationalen Kinohits „Die fabelhafte Welt der Amélie“ herangezogen wurden. Jener Soundtrack war es auch, der den Franzosen an die Spitze der Beliebtheitsskala zeitgenössischer Komponisten katapultierte und ihn bis heute dort verweilen lässt. Noch feiert das Publikum Tiersen für seine facettenreichen Klangtüfteleien und seine Bereitwilligkeit, mit Standards der Musikbranche zu brechen. Während nämlich alle Welt der digitalen Revolution frönt, Songs nur noch am Computer produziert und künstlerische Kollaborationen vorrangig mithilfe reger Mailkorrespondenzen realisiert, sehnt es Tiersen nach mehr Ursprünglichkeit. Nach mehr Authentizität. Für „Portrait“ spielte er 23 seiner Klassiker erneut ein und nahm sie live auf 24-Spur-2-Zoll-Band auf. Darüber hinaus sorgte er dafür, dass ihm all die zu vernehmenden Gastsänger (u.a. John Grant oder Gruff Rhys) einen Besuch in seinem Heimstudio auf der bretonischen Insel Ouessant abstatteten. Einzig das Dream-Pop-Trio Blonde Redhead arbeite aus der Ferne mit Tiersen zusammen. Wer schon einmal das Vergnügen hatte, einer Liveshow des 49-Jährigen beizuwohnen, der wird sich schnell dorthin zurückversetzt fühlen, sobald „Portrait“ erklingt. Imperfekt, flüchtig – ja, beinahe menschlich – offenbart das Album Track um Track seine fragile Seele.

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