REVIEW: Angel Olsen „All Mirrors“

Nach Sharon Van Etten und Anna Calvi ist es nun Angel Olsen, die dem Ruf nach musikalischer Selbstbestimmtheit und Emanzipation folgt. Eine starke Frau und ein noch stärkeres Album. „All Mirrors“ verdient, gehört zu werden.

Im dunkelsten Dunkel unseres Selbst liegt immer auch ein Stück Erkenntnis verborgen. Nur ist der Weg dorthin oft schwer und unbequem, sodass viele ihn meiden und sich stattdessen lieber unaufhörlich der Sonnenseite des Lebens zuwenden. Wie viel Kraft sich jedoch aus der Konfrontation mit dem Ungewissen, Ungesagten, Ungelebten schöpfen lässt, verdeutlicht Angel Olsens viertes Studioalbum „All Mirrors“. Mutig stellt sich die US-Amerikanerin darauf ihren eigenen Dämonen, und das sowohl textlich als auch hinsichtlich der instrumentalen Aufbereitung der Songs. Während „Lark“ die LP mit einem imposanten Streicher-Chor eröffnet, der nicht nur einem gewaltigen Paukenschlag gleichkommt, sondern auch weitere aufgeladene Tracks nach sich zieht, bietet der weitere Verlauf auch ein paar reduziertere Momente. Das stetige Wechselspiel aus Drücken, Ziehen und Nachlassen verleiht dem Album eine beeindruckende Dynamik. Es scheint fast lebendig zu sein. Zu atmen und dann und wann laut zu schnaufen. Sich von seiner Energie nicht anstecken zu lassen, ist schier unmöglich. Einmal abgespielt, frisst sich „All Mirrors“ bis zu jenem Punkt, an dem wir die tiefere Auseinandersetzung mit uns stets gescheut haben. Es hält uns förmlich den Spiegel vor.

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