REVIEW: Lana Del Rey „Norman Fucking Rockwell!“

Trotz der fast schon fließbandartigen Produktion neuer Songs und Alben kann Lana Del Rey das Qualitätsniveau auf „Norman Fucking Rockwell!“ nicht nur halten, sie hebt es sogar auf eine neue fragile Ebene. Die Platte geht Hand in Hand mit der Schönheit des langsam ausschleichenden Sommers.

Wer Lana Del Rey live erlebt hat, der weiß, dass ihre Shows, nennen wir es, speziell sind. Vollgepackt mit Playbackpassagen, übersteuerten Backgroundinstrumentierungen, die jede Wall of Sound in ihre Schranken weisen, und deplatzierten, mehrminütigen Unterbrechungen zum Verteilen von Autogrammen in der ersten Reihe, während der Rest des Publikums gezwungen ist, unbeteiligt zuzuschauen. Enttäuschend. Doch gibt es da eben auch diese Momente, in denen sie, einzig mit Gitarre in der Hand, auf der Bühne steht und einen ihrer Songs performt. Ohne großes Tamtam. Und genau diese Momente sind es, die beweisen, dass sie eine gute Musikerin ist und bleibt. Eine, die die große Inszenierung gar nicht nötig hat, obwohl sie ihr Image bereits zu Beginn ihrer Karriere auf jenem Trugschluss aufbaute. „Norman Fucking Rockwell!“, das fünfte Studioalbum der New Yorkerin, macht mit Nachdruck deutlich, wie stark sowohl ihr Kompositionsgeschick als auch ihr emotional aufgeladener Gesang sind. Und zwar vor allem dann, wenn diese Talente ungeschminkt und ohne pompöses Beiwerk dargeboten werden. Gäbe es ein Genre namens Romantik-Pop, wäre Elizabeth Woolridge Grant, wie Lana Del Rey mit gebürtigem Namen heißt, zweifelsohne dessen unangefochtene (Be-)Herrscherin. Statt sich nun aber allein auf die magische Wirkung von Klavier getragenen Downtempo-Nummern zu verlassen, was durchaus zu einer Art Markenzeichen Del Reys geworden ist, hält „Norman Fucking Rockwell!“ ebenfalls akustische Überraschungen bereit. Genau die brauchte es aber auch, um der LP ein Alleinstellungsmal innerhalb der gut gefüllten Diskografie der 34-Jährigen zu verleihen. Stücke wie „Doin‘ Time“ ziehen in der Folge hier und da die Geschwindigkeit der Platte an, bevor sie sich wieder in eine breit angelegte, mit dezenten elektronischen Highlights versehene Kulisse ergießt und das Ende einer Beziehung auf lyrischer Ebene mit dem Ende der Welt gleichsetzt. Es ist wirklich erstaunlich zu hören, wie Lana Del Rey es wieder geschafft hat, sich im Rahmen eines doch recht begrenzt anmutenden Soundspektrums neu zu erfinden.

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