REVIEW: Hayden Thorpe „Diviner“

Mit „Diviner“ schreitet Hayden Thorpe selbstbewusst in seine Zukunft als Solokünstler. Allerdings ohne dabei die eigene Vergangenheit aus den Augen beziehungsweise Ohren zu verlieren.

Fünfzehn Jahre, sprich, fast sein halbes Leben lang, war Hayden Thorpe Frontmann der Wild Beasts. Jener Band, die er zu Schulzeiten mit Freunden gegründet und die sich nach der Veröffentlichung von fünf Studioalben 2018 aufgelöst hatte. Nun würde man vielleicht meinen, dass der Brite nach der finalen Abschlusstour so etwas wie Leere empfunden haben muss. Doch weit gefehlt. Schließlich war die Musik immer schon ein treuer Begleiter für Thorpe gewesen und fing ihn auch in dieser Umbruchzeit auf. Ohne große Umschweife setzte er sich ans Klavier und tat das, wofür er gemacht zu sein scheint: Er schrieb neue Songs. „Diviner“ ist das Ergebnis dieses Prozesses. Ein Album, das von der Intuition geleitet ist. Das deutlich unaufgeregtere Klangwelten erforscht, als die Wild Beasts es getan hatten. Thorpe baut auf die Kombination aus Piano, Schlagzeug, spärlich gesäten elektronischen Impulsen und der Wirkkraft seiner Falsettstimme, die in diesem Kontext mehr denn je an den großartigen Anthony Hegarty (ANOHNI, Anthony And The Johnsons) erinnert. Weitere Stärken von „Diviner“ liegen in den Melodien der Songs, die immer wieder Verweise zu Thorpes Herkunft als Mitglied der Wild Beats aufweisen, trotzdem aber nie nach einem Abklatsch früherer Werke klingen. Die Reduziertheit der Platte gleicht einem Aufatmen oder der sprichwörtlichen Ruhe nach dem Sturm.

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