REVIEW: Sharon Van Etten „Remind Me Tomorrow“

Den wohl eindrucksvollsten Start in das noch junge Musikjahr 2019 legt die US-amerikanische Singer-Songwriterin Sharon Van Etten mit ihrem fünften Studioalbum „Remind Me Tomorrow“ hin. Eine kleine akustische Naturgewalt.

Noch so eine Tausendsassarin, die nicht nur Kind, Studium und Karriere unter einen Hut bekommt, sondern sich auch künstlerisch auf sämtlichen Ebenen austobt. Ob als Schauspielerin in der Netflix-Mystery-Serie The OA, als Teil des Twin Peak-Revivals, als Komponistin für den Soundtrack zum Film „Strange Weather“ oder als gefragte Solokünstlerin, die mit ihrem letzten Album „Are We There“ vielerorts Eindruck hinterließ – Ruhe und Langeweile scheint die New Yorkerin Sharon Van Etten wahrlich nicht zu kennen. Doch trotz der vielen Hochzeiten, auf denen sie gleichzeitig zu tanzen scheint, tut die 37-Jährige alles, was sie tut, mit vollster Passion. Bester Beweis ist „Remind Me Tomorrow“. Während sich die Platte inhaltlich mit dem Thema der Prokrastination, also dem Schieben wichtiger Angelegenheiten zugunsten lustvollerer Tätigkeiten, auseinandersetzt, erforscht sie auf tonaler Ebene ein beeindruckendes Spektrum, das von Indie über Psychrock bis zu einem nebulösen Synthie-Pop reicht. Songs wie die Vorabsingles „Comeback Kid“ oder „Jupiter 4“ zeigen eine selbstbewusste, starke Van Etten. Mit Gefühl, Kraft und Nachdruck inszeniert sie ein wesentlich elektronischeres Klangszenario, als man es bisher von der brünetten Powerfrau gewohnt war. Diese Entwicklung wirkt jedoch keinesfalls opportunistisch, sondern vielmehr wie die konsequente Entfaltung einer Ausnahmekünstlerin, die voll und ganz im Hier und Jetzt verwurzelt zu sein scheint. Mit Leichtigkeit macht sich Sharon Van Etten aktuelle Trends zu eigen und überführt diese auf „Remind Me Tomorrow“ zielbewusst in archaisch anmutende Gefilde.

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