REVIEW: Novo Amor „Birthplace“

Ali John Meredith-Lacey, besser bekannt als Novo Amor, meldet sich mit seinem Debütalbum „Birthplace“ zurück – und das hält fest an der melancholisch-schönen Grundstimmung seiner vergangenen Veröffentlichungen.

Nachdem „Heiress“ (2017) in Kollaboration mit dem nicht minder talentierterem Ed Tullett entstand, nimmt uns Novo Amor mit „Birthplace“ wieder allein bei der Hand, um uns den Ort zu zeigen, der namensgebend für das Album ist: Den Ort unserer Geburt, sei es Stadt, Land oder, ganz global gedacht, unser Planet. Klingt seltsam? Ist es aber nicht, denn Novo Amor versteht es wie kein anderer, unsere Augen für die unsichtbaren wie sichtbaren Geschichten unseres Lebens zu öffnen.
Wie man es von dem Waliser Multiinstrumentalisten, Songwriter und Sänger gewohnt ist, verbindet er auch dieses Mal malerische Klanglandschaften aus elektronischen und akustischen Tönen mit seinem tröstend-träumerischen Falsett und den kinematografischen Meisterwerken, zu denen seine Musikvideos mittlerweile geworden sind. Das Album düst mal schnellen Taktes und flott klatschend durchs Leben („Utican“), raubt uns dann wieder unser Eigengewicht („Birthplace“) und erdet uns schließlich – und das so stark und so tief, dass manch Melancholiker im Schoß welker Blätter und der Vergänglichkeit aller Dinge und Beziehungen zu versinken droht („Repeat Until Death“).
Zum Gelingen des Spagats zwischen den Momenten der Vollkommenheit und jenen des Abschieds tragen nicht zuletzt die Songtexte des 27-Jährige bei: Immer wieder reine Lyrik, obwohl oder gerade weil viele Zeilen rätselhaft bleiben, berühren sie die große Seele, die wir alle teilen. Am Ende möchte man hinausziehen in die Welt, in einem alten Camper vielleicht und flatterndem Flanellhemd, um zu sehen, was hinter dem eigenen Horizont liegt. Möchte den Moment im Hier und Jetzt genießen, weil nur dieser zählt, oder sich mit einer Tasse dampfenden Tees ins Bett kuscheln und über all die bittersüßen Dinge weinen, die uns Schmerz bereiten. Denn Weinen ist okay, wir brauchen es nicht fürchten. Es zeigt, dass wir fühlen: „My body is shaking but I don’t fear it now.“

 

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