REVIEW: Kathryn Joseph „From When I Wake The Want Is“

Wer glaubt, von den Wellen an Anspruchslosigkeit in der modernen Popmusik hinfort gespült zu werden, der findet in Kathryn Joseph „From When I Wake The Want Is” einen robusten Rettungsanker.

Während das Quecksilber des Thermometers nach oben treibt und der Sommer eine Glutwelle nach der nächsten entsendet, sorgt das Zweitwerk der Schottin für Abkühlung. „From When I Wake The Want Is“ ist ein Album von düsterer Schönheit. Klamm wie eine Kälte spendende Steinwand im Schatten. Eine Platte, die sich nicht einfach nur konsumieren lässt, sondern Aufmerksamkeit fordert, indem sie Gefälligkeiten vermeidet und nach Reibungsflächen zwischen Künstler und Hörer sucht. Wer sich auf das Experiment ein- und von der scheppernden Disharmonie der zwölf Stücke nicht abschrecken lässt, entdeckt aber schnell, weshalb es sich lohnt, Joseph ein Ohr zu schenken. Zwischen der Kargheit ihrer Kompositionen steckt ein Talent von imposantem Ausmaß. In der Tradition von Alben wie PJ Harveys „White Chalk“ oder Tori Amos „Boys For Pele“ stützt sich auch „From When I Wake The Want Is“ auf die schlichte Kombination aus Piano und einem Gesang, der ebenso zerbrechlich wie gehaltvoll klingt. Genau richtig, um aufgeheizte Gemüter zu beruhigen und sich darauf zu besinnen, warum man beim Texten und Musizieren zurecht von Kunstformen spricht.

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