REVIEW: Florence + The Machine „High As Hope“

Liebhaber des deepen Indiepop aufgepasst: Florence + The Machine sind zurück! Zurück mit einem neuen Album und – so macht es den Eindruck – auch ein Stück weit zurück bei sich selbst.

„High as Hope“ steht auf dem neuen Album. Der Name ist Programm, denn nicht nur die Erwartungen der Fans an das ersehnte Werk waren hochgeschraubt, sondern auch das Dach, unter dem die zehn neuen Songs stehen, ist ein hoffnungsvolles. Mit der Single „Sky Full of Song“ kündigten Florence + The Machine Mitte April ihr Comeback an und schmetterten den als Gute-Laune-Ohrwurm inhaltlich wahnsinnig unterschätzten Hit „Hunger“ gleich hinterher. Wieder geht es, na klar, um Liebe in all ihren Facetten und Klangfarben, erzählt von mal klagenden Pianos, dann wieder pulsgebenden Perkussions, von besänftigenden Gitarrensaiten und natürlich von Florence Welchs unverkennbarer Stimme.
Verglichen mit „How Big, How Blue, How Beautiful“ (2015) kommt „High as Hope“ weniger heartbroken daher. Vielmehr besingt Welch, leichtfüßig und nostalgisch zugleich, die blassen Polaroidbilder ihres Lebens. Von „South London Forever“, einer Ode an den Teil Londons südlich der Themse, in dem Florence aufgewachsen ist, über „Patricia“ und „Grace“, beides Upbeat-Hommagen an vergangene Jugendlieben und/oder vergessene Freundschaften, bis hin zu „June“ klingen die Tracks überwiegend nach sehnsüchtiger Heimkehr. Schwer und düster ist hier nur „Big God“ – ein Song, in dem es nicht um den Allmächtigen geht, sondern um den Abgott, zu dem eine andere Person werden muss, wenn wir all unsere Bedürftigkeit in sie hineinprojizieren. Was man bei „High as Hope“ vergeblich sucht, ist das Schreien, das Ringen um noch lautere Töne und auch die tarotkartenhaften Mysterien, die sich noch in den ersten beiden Alben verbargen. Statt okkulter Bilder, baut Florence lieber die psychologischen Motive ihrer Nummern aus. Es ist der Frieden, nach dem sie in diesem Album strebt – nicht der globale Waffenstillstand, sondern jener in uns selbst. Der Moment, in dem alles in uns zu-frieden schweigt.
Zumindest scheint Florence nicht mehr länger daran zu verzweifeln, dass Beziehungen zerbrechen; scheint nicht mehr den Schuldigen an den Tatorten unserer Herzen zu suchen. Das bedeutet nicht, dass der Schmerz vergessen ist oder Trennungen nicht traurig sind, aber statt sich in (melodischem) Kummer darüber zu verlieren und zu begreifen zu versuchen, wieso die Dinge kommen, wie sie kommen, widmet sie sich lieber dem Guten, das jeden Herzbruch überdauert. Ja, vielleicht ist sie diesem Zustand der stillen Zufriedenheit ein Stückchen näher gekommen. „No Choir“, der letzte Song des Albums, lässt dies zumindest hoffen: „And if tomorrow it’s all over, at least we had it for a moment. Oh, Darling, things seem so unstable, but for a moment we were able to be still.“

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