REVIEW: Get Well Soon „The Horror“

Trotz seiner despotischen Züge verbreitet Get Well Soons „The Horrer“ nicht nur besorgniserregende Gegenwartsvisionen, sondern vermittelt dem Hörer auch ein Gespür für die Schönheit der Vergänglichkeit. Vor allem, wenn sie in akustischer Form von einem der begnadetsten Musiker unseres Landes dargereicht wird.

Gründend auf drei Albträumen, die er in den Songs „Nightmare No.1 (Collapse)“, „Nightmare No.2 (Dinner at Carinhall)“ und „Nightmare No.3 (Strangled)“ beinahe wörtlich nachzuerzählen versucht, befasst sich Konstantin Gropper alias Get Well Soon auf seinem neusten Album „The Horror“ mit den Abgründen und Ängsten unseres modernen Lebens. Anders, als viele seiner Kollegen, scheut sich der gebürtige Oberschwabe dabei aber nicht vor einer überaus opulenten Inszenierung. Vielmehr scheint er genau diese Üppigkeit gebraucht zu haben, um „The Horror“ zu einem wahrlich beeindruckenden Werk heranwachsen zu lassen, das in klarem Kontrast zu dem beschwingten Vorgänger „Love“ steht. Während alle Welt auf Reduktion setzt, um Verlorenheit und Desorientierung für den Hörer erlebbar zu machen, greift Gropper auf ausladende Streicherarrangements, Bläserchöre, ein Rhythmus vorgebendes Schlagzeug und spannende Field-Recordings (Sirenen, einstürzende Häuser, Laufgeräusche eines Joggers) zurück, um seinem kritischen Blick auf unsere Gesellschaft Nachdruck zu verleihen. Einer Gesellschaft, die sich selbst zugrunde richtet, dies aber mit Glanz und Gloria tut. Ganz so wie die Songs auf „The Horrer“. Ihrem mehrschichtigen Orchestersound haftet – neben aller Destruktion – nämlich etwas Königliches an. Groppers einzigartiges Timbre und sein künstlerisches Geschick schwingen sich derweil zu neuen Höhen auf und hinterlassen eine an den Film noir erinnernde Kulisse. Wer diese Platte nicht gehört hat, der hat definitiv etwas verpasst. Und zwar nicht nur die Gastauftritte von Kat Frankie und Sam Vance-Law.

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