REVIEW: Drangsal „Zores“

Als sein Debüt „Harieschaim“ erschien, waren es vor allem die darauf befindlichen deutschsprachigen Songs, die zu faszinieren wussten. Auf dem Nachfolger „Zores“ fällt Drangsals Revoluzzergeist seiner Muttersprache hingegen zum Opfer.

Weniger New Wave, mehr Pop-Rock. Max Gruber alias Drangsal hat die frühen Achtziger hinter sich gelassen und zieht bei seiner musikalischen Vergangenheitsbewältigung weiter in Richtung Neuzeit. Im Zuge dessen rücken auch Vergleiche zu Bands wie The Cure oder Joy Division, die seinem Erstlingswerk „Harieschaim“ hätten Pate stehen können, in den Hintergrund und machen Platz für weniger schmeichelnde Assoziationen. Parallelen zu den Werken der Ärzte drängen sich unwillkürlich auf, wenn Songs wie „Turmbau Zu Babel“ oder „Jedem Das Meine“ erklingen. Gleichzeitig lässt sich auch eine gewisse Schnittmenge mit der Klangästhetik der Neuen Deutschen Welle nicht verleugnen. Ob dies an der Tatsache liegt, dass fast alle Songs auf Deutsch gesungen werden, sei dahingestellt. Jedenfalls verliert Drangsals Stimme stark an Rotzigkeit und Ungeschliffenheit. Zwar warten viele der Texte mit schlauen Zeilen auf, doch wirkt die insgesamte Inszenierung einfach zu gefällig. All die Andersartigkeit, die uns der gebürtige Pfälzer mit seiner queeren Attitüde versprochen hat, scheint dahin. Stattdessen stellt sich die Frage, ob Drangsals Affinität zum Mainstream – auch, wenn diese bisher oft ironisch wirkte – ihn am Ende genau in dessen Mitte geführt hat. Wir können ihm jedenfalls nicht folgen und sind schlichtweg enttäuscht von „Zores“.

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