REVIEW: Moby „Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt“

Statt nach vorn, geht Moby auf „Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt“ behutsam drei Schritte zurück und versetzt uns in eine Trance, die wir zuletzt vor fast zwanzig Jahren erleben durften.

Manche verehren ihn als einen der besten Gegenwartskünstler im Bereich der elektronischen Musik, andere können mit dem Werk von Richard Melville Hall nicht wirklich etwas anfangen – oder lehnen es sogar kategorisch ab, wie es zum Beispiel der Rapper Eminem einst medienwirksam tat. Richard Melville Hall? Vielen ist der Amerikaner wohl eher unter seinem Pseudonym Moby bekannt, das er dem tiefseetauchenden Protagonisten aus dem Bestsellerroman eines seiner fernen Verwandten zu verdanken hat, dem Autor Herman Melville. Wirklich brauchen tut es diese effekthaschende Anekdote jedoch nicht, um Moby einordnen zu können. Seit Ende der Neunziger Jahre schafft er es nämlich immer wieder, seine Songs in den Charts, in Blockbustern wie der Bourne-Reihe oder auf den Abspielmedien von Millionen von Hörern zu platzieren. Seine neuste LP „Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt“ gibt zu verstehen, dass die Ära Moby sich noch lange nicht ihrem Ende ergeben will. Konsequent reanimiert die Platte die Klangästhetik früher Erfolgsalben wie „Play“ (1999) oder „18“ (2002). Und zwar erfolgreich. Wabbernde Synthies, düstere Trip-Hop-Momente und der immer wiederkehrende, unverkennbare Gesang des 52-Jährigen wecken ein Gefühl von melancholischer Wehmut. Sofort sehnt man sich in eine Zeit zurück, in der man nach der Schule gedankenversunken auf seinem Bett lag und zu „Porcelain“ oder „Everloving“ ins Tagträumen geriet. Wirklich neue Wege geht „Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt“ zwar nicht, doch bleibt die Platte dafür dem unverkennbaren akustischen Fingerabdruck eines begnadeten Vollblutmusikers treu. Einer, der in seiner Karriere schon genug Experimente unternommen hat, als dass man ihm vorwerfen könnte, er sei in einer unendlichen Wiederholungsschleife gefangen.

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