INTERVIEW: Leyya

Wer, wenn nicht die Künstler selbst, können am besten Auskunft über ihre Projekte, ihre Songs oder Platten geben? Lange schon verfolgen wir eine Newcomerband, die in den letzten Jahren richtig durchgestartet ist. Leyya zählen zu den spannendsten Musikexporten Österreichs. Kurz vor ihrer anstehenden Tour und der Veröffentlichung ihres Zweitwerks „Sauna“ haben wir uns mit Sophie Lindinger und Marco Kleebauer unterhalten.

Welche Gedanken umschwirren euch aktuell?

„Wir sind gespannt, wie unser neues Album ankommen wird, da wir sehr viel Zeit und Energie reingesteckt haben und stolz darauf sind, dass wir es so, wie wir es im Kopf hatten, umsetzen konnten.

Ihr scheint als Duo zu den wenigen zu gehören, die wirklich miteinander verbunden sind. Was hält euch zusammen? Was ist euer Erfolgsrezept?

„Wir kennen uns mittlerweile schon sehr lange und machen dementsprechend auch schon lange Musik miteinander. Wir haben gelernt, uns gegenseitig zu sagen, wenn uns etwas stört oder uns eine Idee nicht gefällt. Außerdem ist uns aber auch bewusst, dass es wichtig ist, auf die Idee des anderen einzugehen und sie anzuhören. So bringen wir uns gegenseitig immer wieder auf eine gewisse Weise dazu, unsere eigenen gedanklichen Grenzen und Einschränkungen zu überwinden.“

Wir freuen uns, dass ihr bald ein neues Album auf den Markt bringt. Erzählt uns doch bitte ein paar schöne Anekdoten zum Entstehungsprozess von „Sauna“!

Irgendwann im Schreibprozess haben wir angefangen, an einen Punkt zurückzukehren, als wir einfach nur zum Spaß Beats und Ideen aufgenommen hatten. Die wollten wir eigentlich nicht verwenden, aber es war uns wichtig, manchmal aus unseren eigenen Vorgaben auszubrechen, um nicht kreativ hängen zu bleiben. Oft ist es dann passiert, dass uns genau diese Blödeleien zu einem Song inspiriert haben. Zum Beispiel haben wir einmal einen Reggae-Beat aufgenommen, viermal die Geschwindigkeit davon halbiert und so verschoben, dass es letztendlich kein Reggae-Beat mehr war. Das führte irgendwann dazu, dass ‚Oh Wow‘ entstanden ist.“

Wie oft habt ihr daran gezweifelt, dass das Album jemals fertig werden könnte? Und seid ihr mit entsprechenden Unsicherheiten umgegangen?

Wir waren eher realistisch, was das Thema betrifft. Darum haben wir die Deadline auch gleich um ein Jahr verschoben, um genügend Zeit zu haben. Im Groben haben wir immer gewusst, wie lange es noch dauern wird, weil uns klar war, was noch alles zu machen ist. Das ist ein Vorteil, wenn man bis zum Masteringprozess alles selbst macht. Uns war einfach wichtig, dass jeder einzelne Song auf diesem Album genau das repräsentiert, was wir uns vorstellen und wir wollten uns nicht mit Tracks zufriedengeben, die dies nur zu 80% tun.“

Denkt ihr, dass es den sagenumwobenen Fluch des zweiten Albums überhaupt noch gibt, oder ist dieser mittlerweile zum Mythos verkommen?

Es schwingt schon eine gewisse Erwartungshaltung mit, wenn das zweite Album ansteht. Jedoch vergessen wir so etwas Gott sei Dank, sobald wir anfangen, zu arbeiten. Man muss den Druck, den man sich selbst gibt beziehungsweise glaubt, von außen zu bekommen, beiseitelegen und sich bewusst werden, dass man letztendlich nur für sich selbst Musik macht.“

„Sauna“ ist eine farbenfrohe LP. Was ist denn alles auf der musikalischen Palette zu finden, mit der ihr das Album gestaltet habt?

Dieses Mal wollten wir einfach alles ausprobieren, was uns in den Kopf kam. Wir wollten uns, was das Genre, die Instrumente und die generellen Einflüsse betrifft, in keiner Weise beschränken. Wenn wir zum Beispiel ein Instrument oder einen Sound, den wir uns vorstellten, nicht direkt in Reichweite hatten, haben wir einfach im Internet gesucht und gesamplet. Dadurch erhielt das Album zwei gegenüberstehende Pole. Zum einen wird der Sound als warm und analog wahrgenommen, zum anderen findet man sehr rohe und unbearbeitete Samples. Das haben wir als sehr interessant gefunden.“

In der Pressemitteilung zu „Sauna“ heißt es, euer Innovationsfaktor sei die Naivität. Wie erhaltet ihr euch diese?

„Als wir angefangen haben, Musik zu machen, haben wir nicht wirklich gewusst, was wir tun und genau das ist auch so inspirierend. Jetzt müssen wir Tricks anwenden, um wieder auf diesen naiven, kindlichen Ansatz zu kommen. Dadurch entstehen einfach die besten Songs.“

Mit dem Artwork des Albums knüpft ihr an das des Vorgängers „Spanish Disco“ an. Eine populäre deutsche Musikzeitschrift beschrieb dieses einst als hässlich, was ihr mit viel Humor aufnahmt. Wer ist für die Gestaltung eurer Alben verantwortlich und inwiefern sind diese genau so, wie sie sind, stimmig?

„Wir gestalten unsere Artworks, wie alles, das uns in gewisser Weise repräsentiert, selbst. Mit einem Albumcover kann man Ebenen, die man mit der Musik erschafft noch unterstreichen oder verdeutlichen. Wenn man das auf den ersten Blick nicht sieht, versteht oder das Artwortk sowie die Musik nur oberflächlich konsumieren möchte, ist das ebenso völlig in Ordnung. Uns ist es nur wichtig, in allem was wir rundum unsere Musik gestalten, mehrere Ebenen einzubringen. Ob man die jetzt sucht oder nicht, ist dem Zuhörer überlassen.“

„Superego“ wurde – wie auch andere eurer Stücke – zum Hit und schaffte es sogar als Untermalung in einen TV-Spot. Wie ist es, die eigene Musik im Fernsehen zu hören?

Es ist schon komisch, vor allem wenn man bedenkt, mit welchen Mitteln wir die Songs produziert haben. Das ist das Schöne an dem, was wir machen. Es braucht eine gute, eingängige Songidee, ein billiges Mikrofon und einen Computer. Mehr nicht!“

Inwiefern hat euch der bisherige Erfolg als Duo beeinflusst?

„Die letzten zwei Jahre als Band, die viel unterwegs ist, haben uns sehr beeinflusst. Sei es gut oder schlecht. Auch, dass wir von unserer Musik leben können, hat uns einen gewissen Druck genommen, da wir uns voll und ganz auf die Musik konzentrieren und auch wirklich 100% geben können.“

Zusammen mit ein paar anderen Präsentatoren dürfen wir euch im Februar auf Deutschlandtour schicken. Was erwartet die Besucher der Shows?

„Wir freuen uns schon sehr auf das Touren und auf die Reaktionen des Publikums bezüglich der neuen Sachen. Was uns immer besonders wichtig bei Konzerten ist, ist, dass wir ohne Laptop beziehungsweise Backingtracks oder Playbacks, wie sie einige nennen, auskommen. Das heißt, dass wir jeden Song live spielen, ohne uns zu begrenzen. Dadurch können wir auch mehr auf die Konzertbesucher und ihre Reaktionen eingehen. Das führt unserer Meinung nach zu viel mehr Energie, als wenn man ein vorgegebenes Raster abspielt.“

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