REVIEW: First Aid Kit „Ruins“

Ein ehrliches Songwriteralbum ohne große Überraschungen, aber mit Mut zum Traditionsbewusstsein. First Aid Kit durchstreifen auf „Ruins“ einmal mehr die Hinterlassenschaften ihrer akustischen Vorbilder.

Wer als Musiker erfolgreich wird und wer nicht, steht nach wie vor in den Sternen geschrieben. Und darum macht es auch wenig Sinn, nach Gründen dafür zu suchen, warum es ausgerechnet Klara und Johanna Söderberg schafften, sich wie viele ihrer Idole, man denke da zum Beispiel an die Fleet Foxes oder Emmylou Harris, einen Namen bei Fans von Folk und Country machen. Erstaunlicherweise gelang es den beiden Schwedinnen aber nicht nur in Europa Fuß zu fassen, sondern auch im Heimatland der handgemachten Lagerfeuermusik, den Vereinigten Staaten, zu gefragten Newcomern aufzusteigen. Heute dürfen die Schwestern, die einst die Backingvocals zu Ane Bruns „Do You Remeber“ beisteuerten, getrost selbst als Stars besagter Genres bezeichnet werden. Ihr Erfolgsrezept ist dabei schlicht wie einfach. Passioniert greifen First Aid Kit auf althergebrachte Liedermacherzutaten zurück und verleihen ihnen einen zarten Popanstrich. Nun könnte man meinen, dass es wenig innovativ und fast ein bisschen langweilig sei, das eigene Haus, in diesem Fall ihr viertes Album „Ruins“, auf ein lang erprobtes, fest verankertes Fundament zu erbauen. Doch manchmal liegt genau darin die Herausforderung. Mit gerade einmal Mitte zwanzig zählen Klara und Johanna nämlich nicht zu den typischen Vertretern der mit ihnen assoziierten Musik. Was zu ihrer Schwäche hätte werden können, machten sich die Söderbergs aber schon in der Vergangenheit zur Stärke und avancierten quasi im gleichen Zuge zu auditiven Generationsvermittlern. Künstlern und Künstlerinnen wie ihnen ist es nämlich zu verdanken, dass so manche Eltern heute aufmerksam mit einem Ohr an die Tür des Kinderzimmers gelehnt stehen, anstatt sich unentwegt darüber zu beschweren, wie furchtbar der Kram doch sei, den ihre Zöglinge konsumierten. „Ruins“ jedenfalls ist vollgepackt mit eingängigen Textzeilen, Mitschunkelmomenten und einer gehörigen Portion Romantik. Wenngleich die vorangegangenen Zeilen den Eindruck erwecken mögen, wir hätten die perfekte Platte zum Jahresauftakt gefunden, sei aber auch all denjenigen, die nichts mit den zehn darauf befindlichen Songs anfangen können, ihre Skepsis zugestanden, denn Country und Folk sind und bleiben schlichtweg Geschmackssache.

Ein Kommentar

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  1. Gut getroffen, „auditive Generationsvermittler“ gefällt mir gut. Ich stelle in meinem Blog unter anderem auch eine spannende Folk-Band vor. Mandolin Orange. Schau doch mal rein 🙂
    https://bandfieber.com/2018/02/26/warum-ihr-euch-die-band-mandolin-orange-anhoeren-muesst/

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