GECOVERT: Tuvaband interpretieren „Just A Girl“

Nach dem grandiosen Auftakt der Wiederaufnahme unserer Rubrik „Gecovert“, für den sich der Musiker 7Fields verantwortlich zeigte, wurde es in den letzten Monaten etwas ruhiger auf dem Karussell der Neuinterpretationen – bis heute.

Zu ihrer Zeit waren No Doubt eine echte Ausnahmeerscheinung im insgesamt doch eher schnelllebigen Pop-Geschehen der frühen Neunziger. Eine Band mit selbstbewusster, rockiger Frontfrau, die es jedoch verstand, nicht nur zu provozieren, sondern ihren Hörern auch künstlerischen Anspruch und Reflexionsbewusstsein zu offerieren. Hört man sich im Kontrastprogramm die kürzlich erschienene EP „Mess“ des norwegisch-englischen Duos Tuvaband an, lässt sich schnell folgendes Fazit ziehen: Statt wie ihre amerikanischen Kollegen voll auf die Zwölf zu hauen, nutzen Hellum ​Marschhäuser und Simon Would stattdessen die Schwere leiserer, melancholischerer Melodien, um ihren Worten und Aussagen Gewicht zu verleihen. Nicht unbedingt die schlechteste Voraussetzung, um einen Track wie den No Doubt-Klassiker „Just A Girl“ einmal aus einer völlig ungewohnten Perspektive zu betrachten. Ihr Cover besticht jedenfalls durch eine auditive Tiefgründigkeit, die die Botschaft des Songs maximal verstärkt.

 

Was bedeutet dir das Original?

Hellum: „Es war einer meiner Lieblingssongs, als ich ein Kind war. Obwohl ich die Lyrics nicht komplett verstand, erinnere ich mich daran, wie ich dachte, sie hätten etwas damit zu tun, eine Feministin zu sein und provozieren zu wollen. Für mich, eine acht Jahre alte Feministin, war das der perfekte Song. Ich gründete einen feministischen Club, debattierte im Klassenraum, dass die Mädchen im Vergleich zu den Jungs viel zu ruhig seien, und als meine Mutter eine Demonstration vorbereitete, steuerte ich ein handgemachtes Plakat bei. Der Track klang wie die passende Hymne.“

Wann ist dir das Stück zum ersten Mal aufgefallen?

Hellum: „Da ich ‚Don’t Speak‘ mochte, bekam ich das Album ‚Tragic Kingdom‘ von No Doubt geschenkt. ‚Just A Girl‘ fing sofort meine Aufmerksamkeit. Ich muss gestehen, dass ich das Lied seitdem kaum noch gehört habe.“

Wie war es für euch, das Cover aufzunehmen?

Hellum: „Ich flüsterte den Song in Simons Ohr, während er die Gitarre aufnahm. Auf diese Art fühlt sich der Flow natürlicher an, als wenn man ein Metronom benutzt. Als ich die Vocals aufnahm, merkte ich, dass einige der Sätze ihre Botschaft verloren, wenn ich meine Stimme nicht richtig antrieb. Es hat Spaß gemacht, ein Stück von jemand anderem aufzunehmen.“

Inwiefern wurde aus eurer Version ein typischer Tuvaband-Track?

Hellum: „Wir wussten, dass wir einen Song finden wollten, der anders als unsere Musik ist. Es war leicht, ihn sich einzuverleiben, da unserer Stil sehr minimalistisch und entschleunigt ist. Die Herausforderung war, dass seine Aussage nicht verloren geht. Ähnliches gilt auch bei unseren eigenen Stücken, da ich oft über Dinge schreibe, die mich bewegen.“

Was denkt ihr, würden No Doubt zu eurer Neuinterpretation sagen?

Hellum: „Ich könnte mir vorstellen, dass sie damals, als der Song erschien, gesagt hätten, dass er so interpretiert falsch klinge. Heute, viele Jahre später und mit dem gewissen Abstand, hab ich keine Ahnung, wie er ihnen gefallen würde. Würde ich No Doubt treffen, würde ich sie fragen, ob es in dem Stück wirklich darum geht, ein Mädchen in einer Gesellschaft zu sein, in der es ihm erlaubt ist ‚am späten Abend ein Auto zu fahren‘, oder eher um die USA in den Neunzigern.“

2 Kommentare

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  1. ach schön! Ich hab das Original wirklich nicht erkannt, war einfach nur fasziniert von der Eindringlichkeit der Stimme und dem drückend-schleichenden Rhythmus. Wirklich gelungenes remake!

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