REVIEW: Warhaus „Warhaus“

Stampfende Füße, tosender Beifall und lautes Gebrüll. Wenn ein Konzert sich dem Ende zuneigt und die Menschen auf der Bühne zur vermeintlichen Verabschiedung ansetzen, kann sich das Publikum meist kaum noch halten und fordert euphorisiert nach einer Fortführung des Gesehenen und Gehörten. So auch auf der letztjährigen Tour Maarten Devolderes alias Warhaus, auf der der Belgier sein Debüt „We Fucked A Flame Into Being“ vorstellte. Egal in welcher Stadt er auch unterwegs war, im Zuschauerraum brodelte es –  bot das Soloprojekt des Balthazar-Frontmanns schließlich die perfekte Stimmung, um stundenlang darin zu versinken und gar nicht wieder auftauchen zu wollen. Doch jeder Gig endet irgendwann und so mussten sich auch die Konzertbesucher besagter Shows damit begnügen, eine Platte oder eine CD mit nach Hause zu nehmen, um dort das laszive Kopfkino, das Warhaus mit seinen Songs entfacht hatte, fortzuführen. Indes nutze Devoldere selbst die Zeit und machte mit seiner Band regelmäßig die Nacht zum Tag. Das allerdings nicht nur in den Bars all der Städte, die auf dem Tourplan standen, sondern auch an den Instrumenten. Irgendwann saß der schlaksige Songwriter dann auf einem Haufen neuer Songs.  Anstatt diese nun künstlich unter Verschluss zu halten – war das letzte Album ja erst wenige Monate alt – entschied sich Devoldere kurzerhand, sie als Zugabe an seine Fans weiterzugeben. Und so wurde aus einer geplanten EP schnell ein kompletter Longplayer: „Warhaus“.

Viel zu wenig Aufmerksamkeit schenkte das Gros der Öffentlichkeit Warhaus Erstlingswerk „We Fucked A Flame Into Being“. Das war insofern erstaunlich, als dass Devolderes Herkunftsband Balthazar gleichzeitig noch immer große Erfolge in ganz Europa feiern durfte und man doch erwartet hätte, dass der Ruhm ein wenig abfärben würde. Das tat er aber nicht und auch Warhaus Konzertauftritte waren eher schlecht besucht – wenngleich dies eine gewisse Intimität mit sich brachte, die den Shows als solchen guttat und sie in ihrer Wirkung unterstützte. Was immer auch der genaue Grund für die sich auftuende Begeisterungsschere gewesen sein mag, am musikalischen Anspruch kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Schließlich wird vor allem in Maarten Devolderes Soloarbeiten deutlich, wie verführerisch sein Songwriting ist. Wer im Zuge von „We Fucked A Flame Into Being“ noch nicht zu dieser Erkenntnis gelangt ist, kann dies mithilfe von „Warhaus“ nachholen. Nahtlos knüpfen Tracks wie „Control“ oder „Love’s A Stranger“ da an, wo „We Fucked A Flame Into Being“ seine Hörer verlassen hat: Inmitten einer fesselnden Pop-Noir-Kulisse, in der sich auch die großen Meister des Genres wohlgefühlt hätten. Die Kombination aus Devolderes samtigem Gesang, den betörenden Gastauftritten seiner besseren Hälfte Sylvie Kreusch und den fiebrigen Dschungelbeats macht „Warhaus“ zu einer rundum anmutigen Platte mit gehörig Tiefgang.

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