REVIEW: Susanne Sundfør „Music For People In Trouble“

Wir alle geraten irgendwann einmal in Schwierigkeiten. In Momente, in denen sich unser Puls schlagartig beschleunigt, die Atmung verflacht und ein schwitziger Film unsere Haut überzieht. Doch wie schafft man es, sich dann wieder zu beruhigen? Mit „Music For People In Trouble“ wirft die Norwegerin Susanne Sundfør einen Rettungsanker für diejenigen aus, die in ungemütliche Gewässer hinausgetrieben wurden. Für die, die den Pfad der Tugend bewusst oder unbewusst verlassen haben und anschließend ins Schleudern geraten sind. Inspiriert von Eindrücken, die sie auf ihren Reisen rund um den Globus gesammelt hat, gründet ihr bereits sechstes Studioalbum auf den kulturellen und politischen Gegensätzen einzelner Kulturen und schlägt imposant die Brücke zu den tiefsten Tiefen ihrer eigenen Erlebniswelt. Bereitwillig bricht Sundfør dabei mit den drei vorangegangenen Erfolgs-LPs „The Brothel“ (2010), „The Silicone Veil“ (2012) sowie „Ten Love Songs“ (2015) und wendet sich einer kargeren und weniger lichtbeschienenen Version ihres Songwritings zu.

„Music For People In Trouble“ macht auf den ersten Eindruck nicht den Anschein, als könne dieses Album dazu beitragen, Hoffnung zu säen, wo zuvor Verzweiflung gewütet hat. Zu düster die Sounds, zu bedrückend der Gesang Susanne Sundførs. Und doch versteckt sich hinter der vermeintlich glanzlosen Fassade der Platte ein Hauch von Zuversicht. Indem sie die Kanten ihrer Kompositionen stärker als je zuvor überzeichnet, kontrastiert die 31-Jährige die Ausgewogenheit von Licht und Schatten, Übel und Freude, Ying und Yang in einem Ausmaß, wie man es nur selten zu spüren bekommt. Weniger artifiziell und verträumt als die Äquivalente auf den Vorgängerwerken, leben Tracks wie „Undercover“ oder „The Sound Of War“ von einer klaren Linienführung ohne große Ausschweifungen. Wenngleich dies anfänglich zu Irritierungen führen mag – kannte man die blonde Songwriterin doch bisher anders – lohnt es sich dennoch, sich auf diesen Bruch in ihrem Schaffen einzulassen. Entgegen aller Wiederholungstendenzen vermag es Susanne Sundfør nämlich, unbekannte akustische Gefilde zu erforschen, ohne sich dabei gänzlich zu verlieren. Gewähren wir „Music For People In Trouble“ also den Raum, den es braucht, um zu wachsen.

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