INTERVIEW: Lea Porcelain

Trends nicht nur zu befeuern, sondern sie auch maßgeblich mit anzustoßen, davon träumen die Redakteure vieler Onlinemagazine. Konkret bedeutet das, Newcomer schon vor der Veröffentlichung ihrer Debütsingle als Next Best Thing auszuweisen und dann damit Recht zu behalten. Was Lea Porcelain betrifft, sind wir keinesfalls die Einzigen, die davon überzeugt sind, dass es das Duo sehr weit bringen kann. Wir gehören aber zumindest zu den Auserwählten, denen sie Frage und Antwort standen.

Julien, Markus, der Release von „Hyms To The Night“ liegt noch nicht lang zurück. Wart ihr im Vorhinein aufgeregt?

„Aufgeregt waren wir, aber in gesundem Maß. Es fühlt sich an, als hätte sich die ganze Arbeit gelohnt und als würden wir nun belohnt werden für all die Geduld, die wir aufbringen mussten, und all die Arbeit, die wir vollbracht haben, um dieses Album so einzigartig und perfekt wie möglich zu machen.“

Ist euch eigentlich bewusst, dass euer Debütalbum eins der sehnlichst erwarteten der letzten Monate war? 

„Das haben wir schon öfter gehört und darauf sind wir auch sehr stolz. Dennoch wollen wir ehrfürchtig bleiben und uns nicht zu viel darauf einbilden. Wir möchten Hörer erreichen und nicht der Musikbranche gefallen. Und wir halten auch nichts von bestimmten Szenen. Wir glauben daran, dass alle Menschen einen Grundnenner haben, auf dem sie zusammenkommen können. Unsere Musik will die unterschiedlichsten Leute zusammenbringen und nicht nur einer Gruppe von ihnen gefallen. Es ist schön, wenn sich Gegensätze treffen. Metaphorisch gesehen spiegelt das auch die Musik, die wir erschaffen haben, wider. Wir sind auch sehr gegensätzlich, aber wir ergänzen uns eben auch!“

 Wie erklärt ihr euch selbst euren Erfolg?

„Wir haben erkannt, was uns unsere Musik bedeutet und merken, dass wir jeden Tag fester daran glauben. Wenn man am Ball bleibt, offen für Veränderung ist und immer versucht, sich selbst treu zu bleiben, dann kann man auch fester zu seiner Sache stehen und kommt nicht ins Zweifeln.“

Um euch ein Kompliment zu machen, schreiben viele Kollegen gern, ihr würdet sehr international klingen. Warum haben aus eurer Sicht viele ein Problem damit, zu akzeptieren, dass auch hierzulande großartige Musik entsteht?

„Wahrscheinlich, weil im Ausland viel mehr Musik für den Weltmarkt produziert wird. Das Angebot ist dort größer und es gibt Musiker, die einer ganz anderen Vision folgen und ganz andere Vorbilder haben. Was haben wir denn hierzulande für Vorbilder? Wer sind die letzten, großen deutschen Popstars der Weltgeschichte? Beethoven? Nena? Dennoch gibt es aber auch deutsche Musik, die gefühlt zwar nur noch untergründig brodelt, im Ausland aber umso mehr gefeiert wird. Can, Kraftwerk, Harmonia, Tangerine Dream, Grauzone, Conny Planks gesamte Discografie. Uns persönlich wurde das entweder im Ausland oder in den Untergrundclubs Berlins oder Frankfurts nähergebracht. Leider hat das aber nicht viel mit der Realität von Musikdeutschland zu tun. Dort regieren die Helene Fischers und Florian Silbereisens. Uns ist wichtig, den Glauben an Musik, die den Anspruch hat, international erfolgreich zu sein, egal wo sie herkommt, nicht zu verlieren. Und das schafft man nur, wenn man zweifellos seinem Herzen folgt, sich seiner Herkunft bewusst ist und die richtigen Vorbilder hat.“

Gebt uns doch bitte einen kurzen Überblick darüber, wie ihr als Duo zusammengefunden habt und woher euer Bandname rührt?

„Wir haben uns in der Frankfurter Szene, rund um das Robert Johnson getroffen. Nach zwei Jahren enger Freundschaft haben wir angefangen, die ersten Tracks aufzunehmen. ‚Out Is In‘ als erstes Stück, gefolgt von ‚Bones‘ und ‚Similar Familiar‘. Dank ein paar Wochen im Studio haben wir gemerkt, welche Kraft unsere Musik entwickelt hat. Dass sie auch international Anklang fand, war für uns Grund genug, raus in die Welt zu gehen. Und das aber mit einer neuen Identität: Lea Porcelain.“

Warum erleben New Wave und Post-Punk aus eurer Sicht immer wieder neue Revivals? Und was reizt euch persönlich an diesen Musikrichtungen?

„Vermutlich hängt das damit zusammen, dass diese Genres wohl am meisten der Zeitlosigkeit verschrieben sind. Ihre Gefühle sind universell übertragbar und keine Modeerscheinungen. Wir haben die gleichen Ideale, das reizt uns, wobei unsere Inspiration eigentlich aus anderen Genres und von anderen Bands oder Clubs kam. Viel aus der elektronischen Szene. Eine der größten Inspirationen war zum Beispiel Romans Flügels Album ‚Happiness Is Happening‘, gemischt mit Einflüssen des Moon Duos und dem, was wir vorher gemacht haben. So entstand unser Sound.“  Wir wollten keinen Tribut an irgendwelche Helden zollen, sondern uns einfach ausprobieren.“

„Hyms To The Night“ entstand zu großen Teilen im Funkhaus in der Berliner Nalepastraße. Ein guter Ort zum Aufnehmen?

Ein guter Ort, um zu sein. Wir haben ehrlich gesagt nur ein paar Tracks im Funkhaus aufgenommen. ‚Remember‘ und ‚A Faraway Land‘ zum Beispiel. Doch konnten wir dort unser Live-Set perfektionieren, Räume nutzen, Videos drehen und unserer künstlicheren Mitte näherkommen.“

Wovon erzählen eure „Nachthymnen“ textlich?

„Von Verschiedenstem. ‚Out Is In‘ erzählt vom Ausbruch in die Welt und aus sich selbst heraus. Es mahnt, jetzt die wichtigen Entscheidungen zu treffen, sich nicht von anderen beeinflussen zu lassen und sein Leben zu leben! ‚Similar Familiar‘ und ‚A Faraway Land‘ sind Utopie-Träume von einer Welt, die einem selbst sehr falsch erscheint und in der man sich als Individuum klein fühlt, während man sich nach ein bisschen Liebe sehnt. ‚Bones‘ ist ein Breakup-Song, ‚A Year From Here‘ eine Tagträumer-Zeitreise. Die Texte sind alle fragmentarisch und abstrakt, erzeugen aber in der Komposition zueinander ganz bestimmte Bilder, immer und immer wieder. Die sind zwar bei jedem unterschiedlich, dennoch gefühlsmäßig bei allen gleich. Das alles sind Gedanken, die man oft nachts hat, wenn alles schläft und man über das Leben, die Welt und sich selbst nachsinnt.“

Das Plattencover von „Hyms To The Night“ ziert eine Art Kreuz. Ein Symbol, das aktuell recht häufig im Kontext moderner Popmusik zu finden ist. Was mögt ihr daran?

„Die Stärke, die Ästhetik und die Atmosphäre.“

Ihr habt bereits mehrere Konzerte in ganz Europa gespielt. Wie war das Feedback bis dato?

„Immer positiv und sehr interessiert! Unsere Bühnenshows sollen nicht nur die Musik liefern. Wir wollen auch etwas Leidenschaft transportieren, ausbrechen, Menschlichkeit zeigen! Momentan touren wir zusammen mit alt-J durch Europa und die Reaktionen waren ganz unterschiedlich. Ob jetzt in Frankreich, Belgien oder Holland. Heute Abend spielen wir mit den Jungs in unserem Zuhause, dem Funkhaus Berlin. Da wird die Reaktion wahrscheinlich noch stärker, als sie bisher schon war, weil es eben unser Heimatland ist. Direkt nach dem Konzert fahren wir zur unserer Record Release Party in London. Die Reaktion generell sind oft ähnlich gut. Viele haben seit langer Zeit nicht mehr etwas Vergleichbares gesehen oder gehört. Und das macht uns schon stolz.“

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