REVIEW: Beach House „B-Sides And Rarities“

Auch, wenn der Blick aus dem Fenster es nicht unbedingt bestätigt, es ist Ende Juni und das bedeutet, dass das Sommerloch spätestens jetzt beginnt, alles zu verschlingen, was nicht niet- und nagelfest ist. Während Frühjahr und Herbst gern mit neuen Veröffentlichungen zugepflastert werden und zu dieser Zeit ein Konzert das nächste jagt, wird es gen Jahresmitte schlagartig stiller in der Musikbranche. Grund dafür dürfte sein, dass angenommen wird, die Leute seien lieber draußen in den Parks oder würden sich auf Festivals herumtreiben, als zuhause neue Platten zu entdecken oder sich in überfüllte Locations zu drängen. Vielleicht ein Trugschluss – aber einer, der sich hartnäckig hält. Nichtsdestotrotz gibt es Künstler, die die Sommermonate nutzen, um mit besonderen Releases um die Ecke zu kommen. Vor allem Best-Ofs und Compilations jeder Art haben sich dabei als passende Lückenfüller bewährt. Beach Houses „B-Sides And Rarities“, eine Sammlung mit 14 unveröffentlichten Tracks und Remixes, stellt einen solchen dar. Einen, der ganz hervorragend über die akustische Durststrecke des Sommers hinwegtröstet.

Zwölf Jahre ist es her, dass sich Beach House in Baltimore formierten. Das fragile „Rain In Numbers“ erinnert an diesen Start im Jahre 2005 zurück – handelt es sich doch um eine der ältesten Aufnahmen des Duos. Zu dem erinnerungsversunkenen Stück gesellen sich auf „B-Sides And Rarities“ aber noch viele weitere Songs, die die Entwicklung, die Victoria Legrand und Alex Scally im Laufe ihrer Karriere genommen haben, genauso dokumentieren, wie die Kohärenz, die ihrem Werk zugrunde liegt. Beach House sind eine, wenn nicht sogar die wichtigste Gegenwartsbands des Dream-Pops, und das lässt sich anhand von „B-Sides And Rarities“ wunderbar nachvollziehen. Legrand und Scally schaffen es, dem verträumtesten aller Genres einen Facettenreichtum abzugewinnen, den man ihm kaum zugetraut hätte. Klingt „Norway“ im iTunes Session Remix optimistisch und heiter, setzt „Saturn Song“ auf transzendente Momente und „Baseball Diamond“ auf eine bittersüße Melancholie. Beach House fühlen sich in sämtlichen Ecken des Dream-Pops wohl und scheuen auch Grenzübertritte in Richtung Indierock und Shoegaze nicht. So erwartet man das wohl von Pionieren. Furchtlos und doch authentisch müssen sie sein. Ob es an ihrer akustischen Reiselust oder der Wandelbarkeit von Legrands androgyner Stimme liegen mag – Beach Houses Liebe zur Musik ist in jedem einzelnen Saitenanschlag der E-Gitarren, in jedem gehauchten Gesangsfragment, in jeder Note ihrer ausgedehnten Kompositionen spürbar.

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