REVIEW: Kitty Solaris „Silent Disco“

Kitty SolarisHin und wieder entdeckt man als Musikredakteur Künstler, bei denen man sich ernsthaft fragt, warum diese nicht an vorderster Front der Charts zu finden sind. So geschehen bei Kitty Solaris. Die Songs der aus Marburg stammenden Liedermacherin sind derart auf den Punkt und eingängig, bieten aber auch genug Innovation, dass sie sowohl Mainstream- als auch Spartenfans gleichermaßen betören sollten. Und doch schafft es die stets auf sympathische Art und Weise ein wenig durch den Wind wirkende Blondine kaum über die Grenzen ihrer ergebenen Hörerschaft hinaus. Warum? Vermutlich liegt die Antwort in der Tatsache, dass Kitty Solaris seit Jahren die ungekrönte Königin der alteingesessenen Berliner Independentszene darstellt und sich folglich kaum auf den roten Teppich einer Veranstaltung wie dem Echo verirren würde. Stattdessen regiert sie von ihrem Hauptquartier, dem Berliner Schokoladen, in den sie als Chefin des Labels Solaris Empire auch regelmäßig verschiedenste Kollegen zu Auftritten einlädt, aus den urbanen Underground. Selbstbewusst und unbeirrt.

Silent Disco„Silent Disco“ ist das fünfte Studioalbum von Kitty Solaris und wird seinem Titel in vielerlei Hinsicht gerecht. Vor allem dank seiner Zweitteilung in einen beatlastigeren, von Damien Press produzierten ersten und einen ruhigeren, dem klassischen Songwriting zugewandten zweiten Teil, der mithilfe von Jochen Ströh entstand. Gekonnt setzt Kitty Solaris Lautstärke und Aktivität in Kontrast zu Sanftheit und Behaglichkeit. Hinzukommt ihr fast schon übersinnliches Gespür für spannende Melodien, denen man ihr Ohrwurmpotenzial keineswegs absprechen kann. Ob der Opener „Soul Brother“, das schwerelose „Closer“ oder das finale „Tell Me Something New“ – jeder der zehn Songs auf dem Album überzeugt. Kompromisslos. Und während Tanzwütige sich vor allem durch Stücke wie dem namensgebenden „Silent Disco“ oder „Coffee And Cigarettes“ zum Hüftenkreisen angeregt fühlen dürften, finden Melancholie verliebte Hörer in dem wundervollen „Mrs Someone“ die Antworten auf all ihre Sehnsüchte. Wem das noch nicht reicht, der kann Kitty Solaris beim Experimentieren mit orientalisch anmutenden Einflüssen („Ecstasy“) belauschen oder sich bei „Mind Matches“ von ihrem lyrischen Talent überzeugen. Eine berauschende Harmonie jagt auf „Silent Disco“ die nächste, stets begleitet von der vielfältigen, gereiften Stimme einer begnadeten Vollblutmusikerin. Überzeugender hätte dieses Album tatsächlich nicht sein können.

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