REVIEW: Son Lux „Bones“

Son Lux by Caroline InternationalAuthentizität ist ein Wort, das manche Musiker leider nicht einmal zu buchstabieren wissen. Der Markt ist überschwemmt von Möchtegerns, die ihren Gefühlen dadurch Ausdruck verleihen, dass sie den Schmalz so lange von den Wänden tropfen lassen, bis sie selbst darin ertrunken sind. Die Hürde der Glaubhaftigkeit zu nehmen, fällt hingegen vielen schwer – zu sehr locken Effekthascherei und die große Inszenierung. Son Lux sind da anders. Das Projekt, das 2008 von dem US-Amerikaner Ryan Lott ins Leben gerufen wurde, steht für eine post-moderne Deutungsweise experimenteller Electronia-Sounds und überzeugt durch markerschütternde Tracks voller Aufrichtigkeit. Mit den Alben „At War With Walls And Mazes“ (2008), „We Are Rising“ (2011) und „Lanterns“ (2013) ebnete die mittlerweile zum Trio angewachsene Band den Weg hin zu ihrem Meisterstück. „Bones“ überstrahlt nun seine Vorgänger auf epische Art und Weise und bietet seinem Publikum ein lichtdurchflutetes, akustisches Utopia.

BonesEin einziger Atemzug umgibt „Bones“, das mit dem zarten „Breathe In“ beginnt und dem fast schon filmischen „Breathe Out“ endet. Vor allem das letzte Stück der Platte verdeutlicht dabei Lotts Liebe zu Soundtrackarbeiten und der Vertonung von Werbespots, also jenen Kompositionen, die besonders zu Beginn seiner Karriere eine zentrale Rolle für den Musiker gespielt haben. Während des tiefen Luftholens präsentieren Lott und seine Kollegen von Son Lux allerdings noch weitere Facetten ihrer akustischen Identität. So lassen sich zu „This Time“ rauschende Feste in bester Bollywood-Manier feiern, „Change Is Everything“ bietet epische Tendenzen, wie man sie sonst nur von Acts wie Arcade Fire kennt, und „Undone“ schafft es, mit etwas ruhigeren Tönen die Hörerschaft ins Staunen zu versetzen. Nicht minder imposant sind das verträumte „Now I Want“, mit seinen gospelartigen Chorgesängen, und das bittersüße „White Lies“, das zwar zaghaft beginnt, schließlich aber in einem dröhnenden Finale mündet. All die präsentierte auditive Farbenfreude begeistert und hinterlässt einen bleibenden Eindruck, der zusätzlichen Nachdruck verliehen bekommt, wenn „I Am The Others“ sämtlichen Downtempo-Songs das Fürchten lehrt und sich „You Don’t Know Me“ zur archaischen Hymne für geschundene Herzen aufschwingt – voller Massivität und begleitet von der geschundenen Stimme Lotts, die mit jeder Silbe das entfachte Feuer lodernder Dramatik schürt.
Es sollte mehr solch klarsichtiger Alben wie Son Luxs „Bones“ geben. Wie gut, dass die Band Ende Oktober auf Deutschlandtour gehen und im Zuge sowohl Berlin als auch Hamburg einen Besuch abstatten wird.

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