REVIEW: Sophie Hunger „Supermoon“

Sophie Hunger © by Marikel LahanaWer sind die glanzvollen Idole unserer Zeit, deren Andenken vielleicht nie verblassen wird? Über wen wird man auch in Jahrzehnten noch mit einem Leuchten in den Augen sprechen? Wessen Musik wird die Zeit überdauern und sich fest im allgemeinen Kulturgut verankern? Heiße Anwärterin, Antwort auf all diese Fragen zu sein, ist die Schweizerin Sophie Hunger. Während etliche Zeitkörner durch die universelle Zeituhr rieselten, arbeitete Emilie Jeanne-Sophie Welti, wie Sophie Hunger mit bürgerlichem Namen heißt, unerbittlich an ihrer Karriere – wurde zur Multiinstrumentalistin, verfasste Lyrics auf Englisch, Deutsch, Französisch und Schwyzerdütsch, saugte all die Eindrücke, die sie umgaben, auf wie ein Schwamm in der Trockenzeit, und bewegte Massen von Menschen mit ihren einzigartigen Liveshows. Doch an einer Stelle versagte der sonst so scharfe Geist der 32-Jährigen gänzlich. Nachdem sie ihr letztes Album „The Danger Of Light“ veröffentlicht hatte, mit diesem um die Welt getourt war und zahlreiche daran gebundene Projekte realisiert hatte, schwor die Sängern offiziell der Musik für eine Weile ab und flüchtete von Europa nach Kalifornen, wo sie wiederum feststellen musste, dass das der vielleicht unausgereifteste Plan ihres Lebens gewesen sein sollte. Resultat des gescheiterten Versuchs einer künstlichen Trennung ist „Supermoon“, Hungers fünftes Studioalbum.

SupermoonDer Mond hat es Sophie Hunger angetan. Die Tatsache, dass er einst Teil der Erde war und somit gar nicht unbedingt jener fremde, auf unseren Planeten herabblickende Beobachter sein muss, für den ihn viele halten, faszinierte die Songwriterin und inspirierte sie zum Eröffnungsstück „Supermoon“ des gleichnamigen Albums. Heulend und mit dem Hauch schamanenhafter Weisheit versetzt sie sich dabei in die Perspektive jenes Trabanten und entspinnt eine eigensinnige Geschichte zu dessen Gefühlsleben. Generell beweist Hunger auch auf „Supermoon“, dass sie textlich zu den ganz Großen gehört – und das über sämtliche Sprachbarrieren hinweg. Wenn zum Beispiel „Die Ganze Welt“ erklingt, das von jazzartigen, kratzenden Texturen getragen wird, die sich schließlich in einem fließenden, wohl ausgepolsterten Chorus ergießen, dann kann man nichts anderes mehr tun, als sich gebührend vor der Poetin Hunger zu verneigen. Ebenso interessant ist das mit verzerrten Vocals und in Schwyzerdütsch dargebotene „Heicho“, dem trotz heiterer Beats ein morbides Thema zugrunde liegt. Doch auch klanglich muss sich „Supermoon“ keineswegs verstecken. Tänzelnd bewegen sich die zwölf Songs zwischen den verschiedensten Genres hin und her. Kennen keine Grenzen, wirken frei und ungebunden. Während „Mad Miles“ als eins der vielen Highlights begeistert, wirken Stücke wie „Love Is Not The Answer“, „We Are The Living“ oder „The Age Of Lavender“ nahezu frech. Hungers Stücken wohnt ein Eigenleben inne. Sie sind charakterstark, bunt und geistreich. Dass sie darüber hinaus auch eine Hand für Neuinterpretationen hat, stellt die schweizerische Künstlerin mit ihrer Version von „La Chanson d’Helene“ zur Schau, welches im Original von Romy Schneider und Michel Piccoli eingesungen wurde.
Man will dieser Dame einfach stundenlang zuhören und gebannt an ihren Worten hängen, wie zäher Kleber an den Fingerkuppen, wenn man bei dessen Verwendung zu optimistisch auf die entsprechende Tube gedrückt hat. Und so verkürzt „Supermoon“ nicht nur die Wartezeit bis zur nächsten Konzertreise Sophie Hungers, sondern bildet gleichzeitig auch einen weiteren Meilenstein in ihrer Karriere.

2 Kommentare

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  1. WOW! Kompliment an denjenigen, der diese Seite am laufen hält. Das neue Design ist top, eine super Idee die Seite neu zu gestalten. Es macht Spaß die Beiträge zu lesen. Man bekommt Lust darauf, mehr von den vorgestellten Sängern und Bands zu hören. 🙂

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